Was ist das Ziel von NIS-2?
Januar 2026
Das übergeordnete Ziel: Ein einheitlich hohes Cybersicherheitsniveau in Europa
Das Hauptziel der NIS-2-Richtlinie ist es, ein einheitlich hohes Niveau an Cybersicherheit in der gesamten EU zu schaffen. Die Vorgängerrichtlinie NIS-1 aus dem Jahr 2016 zeigte erhebliche Schwächen: Die Umsetzung war in den Mitgliedstaaten sehr unterschiedlich, und die Richtlinie erfasste nur einen begrenzten Kreis von Unternehmen.
NIS-2 zielt darauf ab, die Widerstandsfähigkeit kritischer Einrichtungen und Netzwerke zu stärken und die gesamtgesellschaftliche Resilienz gegenüber Cyberbedrohungen zu erhöhen. Das bedeutet konkret: Unternehmen, die für das Funktionieren der Gesellschaft und Wirtschaft unverzichtbar sind, müssen ihre Cybersicherheit systematisch verbessern.
Konkrete Teilziele: Was NIS-2 erreichen will
1. Erweiterung des Anwendungsbereichs: NIS-2 erweitert den Kreis der betroffenen Unternehmen erheblich. In Deutschland steigt die Zahl auf rund 30.000 Einrichtungen. Damit werden erstmals auch mittelständische Unternehmen systematisch in die Cybersecurity-Pflicht genommen.
2. Harmonisierung der Anforderungen: Die Richtlinie strebt eine Vereinheitlichung der Cybersicherheitsstandards in allen EU-Mitgliedstaaten an. Das schafft gleiche Wettbewerbsbedingungen und erleichtert grenzüberschreitende Geschäftsbeziehungen.
3. Stärkung der Lieferkettensicherheit: NIS-2 verpflichtet Unternehmen, nicht nur ihre eigenen Systeme zu schützen, sondern auch die Cybersicherheit ihrer Lieferanten und Dienstleister zu berücksichtigen. Eine Schwachstelle beim Zulieferer kann die gesamte Kette gefährden.
4. Verbesserung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit: Die Richtlinie fördert die Kooperation zwischen nationalen Behörden und schafft Mechanismen für den schnellen Informationsaustausch bei Cyberangriffen.
5. Erhöhung der Rechenschaftspflicht: Mit der ausdrücklichen Verantwortung der Geschäftsleitung für Cybersicherheitsmaßnahmen wird Informationssicherheit zur Chefsache. Das Ziel ist, dass Cybersecurity nicht mehr als reine IT-Aufgabe, sondern als strategisches Thema verstanden wird.
Warum diese Ziele für Ihr Unternehmen relevant sind
Erfolgreiche Unternehmen begreifen die Ziele von NIS-2 nicht nur als regulatorische Belastung, sondern auch als Investition in die eigene Zukunftsfähigkeit. Cyberangriffe kosten Unternehmen weltweit jährlich Milliarden und können im Extremfall die Existenz gefährden.
Aus unserer eigenen Beratungspraxis wissen wir, welche verheerenden Folgen ein erfolgreicher Cyberangriff für ein Unternehmen haben kann. Selbst wenn man bei realistischer Betrachtung das Risiko eines Angriffes nie vollständig ausschließen kann: Je besser Sie vorbereitet sind, desto geringer fällt Ihr Schaden aus. Auch in nachfolgenden Schadensersatzverfahren stehen Sie wesentlich besser da, wenn Sie umfassende Risikomaßnahmen nachweisen können.
NIS-2 schafft einen verbindlichen Rahmen, der Ihnen hilft:
Risiken zu minimieren: Systematisches Risikomanagement reduziert die Wahrscheinlichkeit erfolgreicher Angriffe.
Vertrauen zu schaffen: Kunden und Geschäftspartner bevorzugen Unternehmen mit nachweislich hohen Sicherheitsstandards.
Wettbewerbsvorteile zu sichern: Compliance wird zum Qualitätsmerkmal, besonders in öffentlichen Ausschreibungen und bei Versicherungen.
Das Ziel für Deutschland: Schutz kritischer Infrastrukturen
Das deutsche NIS-2-Umsetzungsgesetz verfolgt das Ziel, die Versorgung der Bevölkerung mit kritischen Dienstleistungen zu sichern und die Funktionsfähigkeit wichtiger Wirtschaftssektoren zu gewährleisten. Das BSI erhält erweiterte Befugnisse zur Überwachung und Durchsetzung der Anforderungen.
Durch die Meldepflichten bei Sicherheitsvorfällen entsteht zudem ein umfassendes Lagebild, das allen Akteuren hilft, Bedrohungen besser zu verstehen und darauf zu reagieren.
Fazit: NIS-2 als strategischer Wendepunkt
Das Ziel von NIS-2 ist klar: Ein sicheres, widerstandsfähiges Europa, in dem kritische Infrastrukturen und wichtige Wirtschaftszweige systematisch vor Cyberbedrohungen geschützt sind. Für Unternehmen bedeutet das eine Professionalisierung der Cybersecurity, die weit über technische Maßnahmen hinausgeht.
Wer die Ziele von NIS-2 versteht und als Chance begreift, positioniert sein Unternehmen nicht nur compliant, sondern zukunftssicher. Die Investition in strukturierte Cybersecurity zahlt sich mehrfach aus: Durch weniger Ausfälle, höheres Kundenvertrauen und bessere Marktposition.
Unser Rat: Nutzen Sie NIS-2 als Rahmen für den systematischen Aufbau Ihrer Cybersicherheit. Das schützt nicht nur vor Bußgeldern, sondern auch Ihr Geschäftsmodell.
